Bildungsangebot

In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts, in der sich Bildungsinhalte und berufliche Anforderungen ständig wandeln und flexibles „just-in-time“ Lernen immer mehr zu einer schieren Notwendigkeit eines erfolgreichen Berufslebens wird, erhalten Anwendungsbezogenheit und Lerntechniken wie das selbstgesteuerte Lernen einen immer größeren Stellenwert in den Bildungsvorstellungen für Grundschulen, Sekundarschulen, Berufskollegs und Universitäten.

Deshalb benötigen unsere Kinder und Jugendliche die Befähigung zu mehr selbstgesteuertem Lernen vom Kindergarten bis zur Universität. So können zum Beispiel Grundschüler/innen durch Experimente, die aus ihrer Lebenspraxis entwickelt werden, neue Kompetenzen in Naturwissenschaften und Technik eigenständig erarbeiten.

Wie lernen Kinder?

Rousseau schreibt in mehreren Schriften: „Jeder Unterricht dieser jungen Leute muss eher in den Handlungen als in Reden bestehen.“4 Handlungen, Experimentieren, Spielen und Lernen als Erfahrungen schließen sich im Kindergarten und in der Grundschule nicht aus, sie gehören zusammen. Für Erwachsene und Schüler stehen Probieren, Spielen und Lernen nebeneinander, für ein Grundschulkind sind es keine Widersprüche. Lernen sollte in jeder Lebensphase Spaß machen.

Das spielerische und selbstorganisierte Lernen ist wichtig und darf deswegen nicht dem Zufall überlassen werden. Grundschüler benötigen Schlüsselqualifikationen, um später „gut“ lernen zu können.

„Wenn Ihr Kind über Ausdauer verfügt, zuhören und sich konzentrieren kann, bei schwierigen Aufgaben nicht gleich aufgibt, kreativ nach Lösungen sucht und über ein breites Weltwissen verfügt, wird es ein Leben lang gerne und erfolgreich lernen.“

Folgende Schlüsselqualifikationen können durch gezielte Angebote, durch Motivation und Ausdauer in den Grundschulen und im Kindergarten erworben werden und geben so eine Basis für erfolgreiches Lernen in jedem Lebensalter:

– Konzentration
– Motorik
– Zielorientierung
– Kreativität
– Sprachbildung
– Soziale Kompetenz
– Geduld
– Mengen- und Zeitgefühl
– Ausdauer
– Wahrnehmung

In den ersten Lebensjahren lernen Kinder unentwegt, ohne bewusst zu lernen. In immer neuen Herausforderungen wird das Gehirn gefordert, es wird vernetzt. Kinder lernen Laufen, die Muttersprache, sozialen Umgang, erfahren Grenzen, überwinden Ängste bzw. lernen, mit Ängsten umzugehen – um nur einiges zu nennen. Die Erziehung der Kinder kann bei den verschiedensten Lernbereichen ansetzen und die Kinder bestmöglich fördern.

Dabei ist zu beachten, dass es „die“ Begabung nicht gibt, sondern unterschiedliche – gleichwertige – Begabungsschwerpunkte vorliegen: Sprache, Logik, Musik, Körpergefühl, Tanz, Visuelles, soziale und emotionale Fähigkeiten.

„Das Lernen lernen“ in der Grundschule

Der Lernnavigator (Lehrplan) der Grundschule in Nordrhein Westfalen berücksichtigt die Forderungen der großen Pädagogen und Philosophen Aristoteles, Rousseau und Pestalozzi und auch die Aussagen und Wünsche der Studenten und Studentinnen und der älteren Personen aus Deutschland und Rumänien. „In dem Lehrplan werden statt verbindlicher Unterrichtsgegenstände Kompetenzerwartungen an die Schülerinnen und Schüler beschrieben, die bis zum Ende der Schuleingangsphase und der Klasse 4 erreicht werden sollen. Im Sinne tragfähiger Grundlagen stellen diese die verbindlichen Anforderungen dar. Die Formulierung der Kompetenzerwartungen folgt einem kompetenzorientierten Ansatz, der das eigenständige, individuelle Lernen zum Ziel hat. Die individuelle Gestaltung des Unterrichts mit der Ausrichtung auf das eigenständige Lernen des Kindes obliegt der Schule. Die Ergebnisse schulischer Arbeit und damit die Standards und ihre Einhaltung werden unter Berücksichtigung der Entwicklungen in den Fachwissenschaften, der Fachdidaktik und der Schulpraxis auf der Grundlage validierter Tests überprüft und weiterentwickelt.“

„Nach Weinert umfassen Kompetenzen Fähigkeiten und Kenntnisse, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen, über die Schülerinnen und Schüler verfügen müssen.

Eine Schülerin oder ein Schüler ist kompetent, wenn er oder sie

– über Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Lösen von Problemen verfügt
– auf vorhandenes Wissen zurückgreift
– zentrale fachliche Zusammenhänge versteht
– Handlungsentscheidungen trifft
– motiviert ist, Kompetenzen auch in Zusammenarbeit mit anderen einsetzt“
– (NRW, Kompetenzorientierung – Eine veränderte Sichtweise auf das Lehren und Lernen in der Grundschule, 2008)

In Anlehnung an Georg Kerschensteiner teile ich die Auffassung, dass Bildung das ist, was übrig bleibt, wenn alles Gelernte vergessen ist. Dies verweist auf die Bedeutung von Lerntechniken im Bildungskonzept, sie sind ein Eckpfeiler eines modernen Bildungsverständnisses in den Grundschulen in Nordrhein Westfalen. Überträgt man diesen grundlegenden Gedanken auf die Bildungspolitik und die konkrete Ausgestaltung des deutschen Bildungssystems, so hat dies zur Folge, dass selbstgesteuertes und anwendungsorientiertes Lernen vom Kindergarten bis zur Universität verstärkt gefördert werden sollte.

Naturwissenschaften in Grundschulen

Die Kinder in Grundschulen haben ein großes Interesse daran, ihre Umwelt zu begreifen. Sie sind interessiert an naturwissenschaftlichen Phänomenen und Experimenten. Schülern und Schülerinnen werden zu „Forschern“, sie sehen bestimmte Phänomene, beobachten sie und stellen Fragen: Wieso – weshalb – warum? Vieles kann man die Schüler ausprobieren lassen, selbst erfahren lassen. Wichtig ist, dass die Schüler durch Experimente ausprobieren, Fragen stellen und selbst nach Antworten suchen können13. Diese Fragen, Aufgaben und Antworten sollen näher ans Leben der Schüler und Schülerinnen heranrücken, deshalb wurden Beispiele aus dem Lebensumfeld der Schüler besichtigt oder Fotos aus dem Stadtgebiet der Kinder erörtert und mit dem naturwissenschaftlichen Versuch verbunden. Der Weg zum Ergebnis ist das Entscheidende, denn durch ihn lernen die Schüler. Es sollen Regelmäßigkeiten und Beobachtungen aus der Lebenspraxis der Kinder fächerübergreifend bei den Versuchen genutzt werden, um das grundlegende Gesetz oder Prinzip zu erschließen. Denn so lernen die Schülerinnen und Schüler auch bei abgeänderten Aufgaben, selbständig zu denken und die richtige Lösung zu finden.

Um erfolgreich Experimente durchführen zu können, müssen die Kinder für das Angebot interessiert werden. Eine Untersuchung hat zudem gezeigt, dass das Erinnerungsvermögen der Kinder an Experimente – auch unabhängig von sozialer Herkunft – sehr hoch war.

Nach dem Lernplannavigator des Schulministeriums in Nordrhein Westfalen sollen die Schüler und Schülerinnen folgende Kompetenzen innerhalb der Bereiche und Schwerpunkte während der Grundschulzeit entwickeln. Es werden folgende Kompetenzen am Ende der 4. Klasse im Bereich Natur und Leben und im Schwerpunkt Stoffe und Umwandlung unter anderem erwartet:

Die Schülerinnen und Schüler sollen sichtbare stoffliche Veränderungen der Natur untersuchen und in der Lage sein können, Versuche zu planen und durchzuführen und die daraus gewonnenen Ergebnisse auszuwerten (z.B. Licht, Feuer, Wasser, Luft, Schall). Zudem wird von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie die Sicherheitsregeln im Umgang mit Elektrizität beschreiben, erklären und vor allem beachten können und Modelle zum Stromkreislauf anfertigen können.
Diese Kompetenzen sollen die Schülerinnen durch Versuche aus folgenden Lernbereichen erarbeiten: Stoffe und ihre Umwandlung, Wärme, Licht, Feuer, Wasser, Luft, Schall, Magnetismus und Elektrizität.

Folgende Projekte werden fächerübergreifend in Deutsch, Religion, Kunst und Mathematik unterrichtet (siehe Abbildung):

1. Auswirkung von Wärme und Kälte auf Stoffe
2. Wasser und Luft
3. Reinigung von Schmutzwasser
4. Magnetismus und Elektrizität